Armschmerzen beim Tennis: Griffstärke und Besaitung richtig prüfen

Armschmerzen beim Tennis entstehen häufig durch ein Zusammenspiel aus Belastung, Schlagtechnik und Material. Eine ungeeignete Griffstärke oder ein sehr steifes Saitenbett kann die Muskulatur zusätzlich fordern, sollte jedoch nie vorschnell zur alleinigen Ursache erklärt werden.

Schmerzen am Ellbogen, Unterarm, Handgelenk oder an der Schulter benötigen eine differenzierte Betrachtung. Sinnvoll ist eine gemeinsame Prüfung durch Sportmedizin oder Physiotherapie, Tennistraining und einen qualifizierten Besaitungsservice.

Nicht jeder Armschmerz ist ein Tennisarm

Der umgangssprachliche Tennisarm bezeichnet meist Beschwerden am äusseren Ellbogen, an dem mehrere Streckmuskeln des Unterarms ansetzen. Schmerzen können in Unterarm, Handgelenk oder Finger ausstrahlen und besonders beim Greifen, Heben, Drehen oder bei der Rückhand auffallen. Die International Tennis Federation beschreibt die Problematik als häufige Überlastungsverletzung, die sich schleichend oder nach einem misslungenen Treffer plötzlich bemerkbar machen kann.

Ähnliche Beschwerden können jedoch von Sehnen, Muskeln, Gelenken, Nerven, Schulter oder Halswirbelsäule ausgehen. Einseitige Selbstdiagnosen und abrupte Materialwechsel sind deshalb wenig zuverlässig. Nach einem Unfall, bei deutlicher Schwellung, Kraftverlust, Taubheit, anhaltendem Nachtschmerz oder rasch zunehmenden Beschwerden sollte das Tennisspiel pausieren und eine medizinische Abklärung erfolgen.

Die Griffstärke objektiv kontrollieren lassen

Eine zu kleine Griffstärke kann dazu führen, dass der Schläger stärker zusammengedrückt wird, damit er sich beim Ballkontakt nicht verdreht. Ein zu grosser Griff kann die Beweglichkeit von Hand und Fingern einschränken und ebenfalls unnötige Spannung erzeugen. In beiden Fällen kann die Unterarmmuskulatur schneller ermüden.


Griffumfang, Form und Oberflächenzustand beeinflussen, wie locker der Schläger gehalten werden kann.

Als einfache Orientierung wird der Schläger locker wie beim Händedruck umfasst. Zwischen Fingerspitzen und Daumenballen sollte ungefähr ein kleiner Finger Platz finden. Diese Faustregel ersetzt keine individuelle Prüfung, weil Handform, Griffhaltung, Schlägermodell und persönliche Präferenzen das Ergebnis beeinflussen.

Ein Fachgeschäft oder Besaitungsservice kann Griffumfang und Griffschalen vermessen. Besonders aufschlussreich ist die Beobachtung während einiger Schläge: Dreht sich der Schläger trotz sauberem Treffpunkt, wird permanent fest zugegriffen oder lässt sich der Griffwechsel nur verkrampft ausführen, besteht Anpassungsbedarf. Eine Videoaufnahme durch eine Trainerperson kann zusätzliche Hinweise liefern.

Mit Overgrips nur in kleinen Schritten verändern

Ein zusätzliches Overgrip vergrössert den Umfang und verändert zugleich Griffigkeit, Dämpfung und Kontur der Griffkanten. Dadurch eignet es sich für einen vorsichtigen Praxistest, ohne den Schläger sofort dauerhaft umzubauen. Mehrere übereinanderliegende Griffbänder können die Kanten allerdings stark abrunden und das Griffgefühl verschlechtern.

Auch ein abgenutztes oder feuchtes Band verdient Aufmerksamkeit. Eine glatte Oberfläche verleitet zu höherem Greifdruck, obwohl der nominelle Griffumfang stimmt. Häufig genügt bereits ein frisches, zur Schweissmenge passendes Griffband, damit der Schläger wieder sicherer und lockerer in der Hand liegt.

Besaitung: Nicht nur die Kilozahl entscheidet

Bei der Besaitung wirken Saitenmaterial, Durchmesser, Konstruktion, Alter und Spannung zusammen. Hinzu kommen Schlägerkopfgrösse, Besaitungsmuster und Rahmensteifigkeit. Dieselbe angegebene Spannung kann sich deshalb in zwei Schlägern deutlich unterschiedlich anfühlen.


Eine fachgerechte Besaitung berücksichtigt Schlägermodell, Saitentyp, Spielweise und bisherige Beschwerden.

Ein sehr straffes Saitenbett fühlt sich häufig direkt und kontrolliert an, kann aber bei empfindlichem Arm als hart wahrgenommen werden. Eine experimentelle Untersuchung zur Rückhand fand bei niedrigerer Saitenspannung geringere am Ellbogen übertragene Kräfte als bei höheren Spannungen. Die Studie ist über PubMed dokumentiert, liefert jedoch keine universelle Idealspannung für alle Spielenden.

Statt eines drastischen Sprungs empfiehlt sich eine schrittweise Reduktion innerhalb des vom Schlägerhersteller vorgesehenen Bereichs. Als kontrollierter Versuch können beispielsweise ein bis zwei Kilogramm weniger mit dem Besaitungsservice besprochen werden. Danach sollten Balllänge, Kontrolle, Komfort und Beschwerden über mehrere kurze Einheiten protokolliert werden.

Weichere Saiten als mögliche Alternative

Monofile Polyestersaiten sind wegen Kontrolle, Haltbarkeit und Spinpotenzial verbreitet, besitzen aber meist ein vergleichsweise steifes Spielgefühl. Bei Armschmerzen sollte geprüft werden, ob eine weichere Multifilamentsaite, ein synthetischer Darm, Naturdarm oder eine sinnvoll zusammengestellte Hybridbesaitung besser passt. Die Wahl hängt von Spielstärke, Saitenverschleiss, Budget und gewünschter Kontrolle ab.

Naturdarm und hochwertige Multifilamentsaiten bieten häufig hohen Komfort und gute Elastizität, sind jedoch nicht für jede Beanspruchung gleich haltbar. Ein Hybrid kann Komfort und Kontrolle verbinden, bleibt aber nur dann armfreundlich, wenn Aufbau und Spannung passend gewählt sind. Die pauschale Aussage, jede Hybridbesaitung sei automatisch weich, wäre irreführend.



Alte Polyestersaiten können problematisch werden

Eine Polyestersaite muss nicht reissen, um ihre günstigen Spieleigenschaften zu verlieren. Mit Spielzeit und Alter sinkt die Spannung, während sich das Saitenbett für manche Spielende gleichzeitig weniger elastisch und weniger angenehm anfühlt. Wer bis zum Saitenbruch wartet, spielt unter Umständen lange mit einer Besaitung, die nicht mehr zum ursprünglichen Setup passt.

Für die Beurteilung gehören deshalb Besaitungsdatum, Saitenname, Durchmesser, Spannung und ungefähre Spielstunden in ein einfaches Materialprotokoll. Dadurch lässt sich erkennen, ob Beschwerden regelmässig nach einer bestimmten Nutzungsdauer auftreten. Eine frische, passende Besaitung ist aussagekräftiger als der Vergleich mit einem monatelang gespielten Saitenbett.

Rahmen, Ball und Treffpunkt mitprüfen

Auch ein komfortabler besaiteter Schläger kann belasten, wenn der Rahmen sehr steif ist, der Sweetspot klein ausfällt oder viele Bälle ausserhalb der optimalen Trefferzone getroffen werden. Ein extrem leichter Schläger ist ebenfalls nicht automatisch armschonend, da Stabilität und Balance entscheidend sind. Änderungen am Gesamtgewicht oder Schwunggewicht gehören in fachkundige Hände.

Alte, nasse oder drucklose Bälle verändern das Treffgefühl und können zusätzliche Kraft erfordern. Gleichzeitig erhöhen verspätete Treffpunkte, ein instabiles Handgelenk und ein überwiegend aus dem Unterarm erzeugter Schlag die lokale Belastung. Die ITF empfiehlt bei der Rückkehr auf den Platz unter anderem einen Treffpunkt vor dem Körper, eine stabile Handgelenksposition und eine stärkere Einbindung von Schulter und Rumpf.



Material und Technik getrennt testen

Mehrere gleichzeitige Veränderungen verhindern eine saubere Auswertung. Werden Griffstärke, Saitentyp, Spannung und Schlägergewicht auf einmal geändert, bleibt unklar, welcher Faktor geholfen oder neue Probleme verursacht hat. Besser ist ein kontrollierter Ablauf mit jeweils nur einer veränderten Variable.

Zuerst können Griffband und Griffumfang geprüft werden, anschliessend Saitenzustand und Spannung. Bleibt das Problem bestehen, folgen Saitenmaterial, Rahmen und technische Analyse. Schmerzprovozierende Dauertests sind ungeeignet; kurze Einheiten und ein Abbruch bei zunehmenden Beschwerden liefern sicherere Rückmeldungen.


Eine technische Analyse zeigt, ob später Treffpunkt, verkrampfter Griff oder mangelhafter Körpereinsatz den Arm belasten.

Der Greifdruck verändert sich während des Schlages

Ein Tennisschläger wird nicht während der gesamten Aushol- und Schlagbewegung maximal fest gehalten. Übermässige Grundspannung kann die Beweglichkeit reduzieren und die Unterarmmuskeln früh ermüden lassen. Eine Trainerperson kann beurteilen, ob der Greifdruck angemessen ansteigt oder bereits vor dem Ballkontakt unnötig hoch ist.

Besondere Aufmerksamkeit verdienen Rückhand, Return und spät erreichte Bälle. Untersuchungen zeigen Unterschiede in der Unterarmaktivität zwischen erfahrenen und weniger erfahrenen Spielenden, was die Bedeutung effizienter Bewegungsmuster unterstreicht. Materialoptimierung und Techniktraining sollten deshalb als zusammengehörige Massnahmen verstanden werden.

Belastungssteuerung gehört zur Ursachenprüfung

Armschmerzen beginnen nicht selten nach einer plötzlichen Steigerung von Trainingsdauer, Matchzahl oder Schlagintensität. Auch ein Schlägerwechsel, eine neue Saite, harte Hallenplätze oder zahlreiche Trainingseinheiten mit Aufschlägen können zeitlich mit den Beschwerden zusammenfallen. Ein Belastungstagebuch macht solche Zusammenhänge sichtbar.

Während einer Reizphase kann eine reduzierte Trainingsmenge sinnvoller sein als das vollständige Durchtesten mehrerer Schläger. Der Wiedereinstieg erfolgt idealerweise stufenweise, etwa mit kurzen Einheiten, kontrolliertem Mini-Tennis und anschliessender Steigerung der Schlagarten. Wettkampf, intensive Aufschläge und lange Rückhandserien stehen erst später im Aufbau.


Beweglichkeit, Kraft, Schmerzort und Belastungsreaktion helfen bei der Abgrenzung möglicher Ursachen.

Wann eine professionelle Abklärung wichtig ist

Bleiben Beschwerden trotz reduzierter Belastung bestehen, kehren sie bei jeder Einheit zurück oder beeinträchtigen sie alltägliche Handgriffe, ist eine Untersuchung angezeigt. Das gilt besonders bei Schmerzen nach Sturz oder direktem Schlag, bei Schwellung, Rötung, Überwärmung, Blockierung, Instabilität, Taubheit oder spürbarem Kraftverlust. Solche Symptome sollten nicht durch eine weichere Besaitung überdeckt werden.

Physiotherapie kann Beweglichkeit, Kraft und Belastbarkeit systematisch erfassen und ein angepasstes Aufbauprogramm erstellen. Dehnen und Kräftigen sind nicht für jede Verletzung und jede Phase identisch geeignet. Übungen aus Videos dienen daher höchstens der allgemeinen Information und ersetzen keine Diagnose.

Ein praktikabler Ablauf für den Materialcheck

Am Anfang steht die Dokumentation des vorhandenen Setups: Schlägermodell, Griffgrösse, Zahl und Art der Griffbänder, Saitenname, Durchmesser, Besaitungshärte, Datum und Spielstunden. Danach wird die Griffstärke im Fachgeschäft kontrolliert und das Griffband bei Bedarf ersetzt. Erst anschliessend sollte eine moderat weichere oder niedriger gespannte Besaitung getestet werden.

Die Rückmeldung sollte mehr umfassen als die Frage, ob sich der Schläger weich anfühlt. Relevant sind Schmerz während und nach dem Spiel, Beschwerden am folgenden Morgen, Treffpunktqualität, Kontrolle, Balllänge und notwendiger Greifdruck. Die beste Lösung ist ein Setup, das Komfort, technische Sicherheit und ausreichende Kontrolle verbindet, ohne Warnsignale des Körpers zu überdecken.

Griff und Besaitung als Teil eines Gesamtsystems

Bei Armschmerzen lohnt sich zuerst die Prüfung, ob der Griff weder zu klein noch zu gross, das Griffband ausreichend griffig und die Besaitung noch spielbar ist. Eine schrittweise Spannungsreduktion oder der Wechsel zu einer elastischeren Saite kann den Komfort verbessern. Verbindliche Kilozahlen ohne Kenntnis von Schläger, Saite und Spielweise sind dagegen wenig seriös.

Dauerhaft tragfähig wird eine Anpassung erst zusammen mit vernünftiger Belastungssteigerung, sauberem Treffpunkt und effizienter Schlagtechnik. Materialservice, Tennistraining und medizinische Fachpersonen decken dabei unterschiedliche Teile der Ursachenanalyse ab. Zunehmende oder neurologische Beschwerden erfordern Abklärung statt weiterer Materialexperimente.

 

Bildquellen: Titelbild: Depositphotos / FS-Stock; Bild 1: Depositphotos / microgen; Bild 2: Depositphotos / An_Sotchenko; Bild 3: Depositphotos / nejron; Bild 4: Depositphotos / HayDmitriy

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