Bluthochdruck erkennen: Warum richtiges Messen wichtiger ist als Symptome

Bluthochdruck tut meistens nicht weh. Viele Betroffene fühlen sich über Jahre gesund, während der erhöhte Druck Herz, Gefässe, Gehirn und Nieren belastet. In der Schweiz ist etwa jede vierte Person betroffen. Erkennen lässt sich die Erkrankung jedoch nicht am eigenen Gefühl, sondern nur durch korrekt durchgeführte und wiederholte Messungen.

Ein einzelner hoher Wert bedeutet noch nicht automatisch Bluthochdruck. Aufregung, Schmerzen, körperliche Anstrengung, Kaffee oder eine volle Blase können das Ergebnis vorübergehend verändern. Entscheidend ist deshalb, unter welchen Bedingungen gemessen wurde und wie sich die Werte über mehrere Messungen entwickeln.

Warum Bluthochdruck so häufig unbemerkt bleibt

Bluthochdruck verursacht in vielen Fällen keine typischen Beschwerden. Genau das macht ihn gefährlich. Kopfschmerzen, Schwindel, Ohrensausen, Müdigkeit, Herzklopfen oder Nasenbluten werden zwar häufig damit in Verbindung gebracht. Solche Symptome können jedoch zahlreiche andere Ursachen haben und eignen sich nicht zur Diagnose.

Auch ein vollkommen beschwerdefreier Mensch kann deutlich erhöhte Werte haben. Umgekehrt bedeutet ein Kopfschmerz nicht automatisch, dass der Blutdruck zu hoch ist. Wer Gewissheit möchte, muss messen.

Bleibt ein erhöhter Blutdruck über längere Zeit unbehandelt, muss das Herz stärker arbeiten. Gleichzeitig werden die Gefässwände belastet. Dadurch steigen unter anderem die Risiken für Herzinfarkt, Hirnschlag, Herzschwäche, Nierenschäden und Durchblutungsstörungen.

Was die beiden Blutdruckwerte bedeuten

Ein Messgerät zeigt zwei Werte an. Der obere, systolische Wert beschreibt den Druck, während sich das Herz zusammenzieht und Blut in den Kreislauf pumpt. Der untere, diastolische Wert entsteht in der Entspannungsphase zwischen zwei Herzschlägen.

In der Arztpraxis gilt ein wiederholt gemessener Blutdruck von mindestens 140/90 mmHg als Bluthochdruck. Bei Messungen zu Hause liegt die Grenze tiefer: Ein Durchschnittswert ab 135/85 mmHg sollte ärztlich abgeklärt werden.

Die Europäische Gesellschaft für Kardiologie bezeichnet Praxiswerte von 120 bis 139 mmHg systolisch oder 70 bis 89 mmHg diastolisch inzwischen als erhöhten Blutdruck. Das ist noch nicht automatisch eine Hypertonie. Es zeigt aber, dass das persönliche Herz-Kreislauf-Risiko zusammen mit weiteren Faktoren betrachtet werden sollte.



So messen Sie zu Hause möglichst zuverlässig

Für die Selbstmessung eignet sich ein geprüftes automatisches Oberarmgerät. Die Manschette muss zum Umfang des Arms passen. Eine zu kleine Manschette kann zu hohe, eine zu grosse Manschette möglicherweise zu niedrige Werte liefern.

Für ein aussagekräftiges Ergebnis sind einige Regeln wichtig:

  • Entleeren Sie vor der Messung die Blase.
  • Vermeiden Sie unmittelbar vorher Sport, schwere körperliche Arbeit und Aufregung.
  • Trinken Sie während der vorausgehenden 30 bis 60 Minuten keinen Kaffee, Energydrink oder Alkohol und rauchen Sie nicht.
  • Sitzen Sie vor der Messung mindestens fünf Minuten ruhig.
  • Lehnen Sie den Rücken an und stellen Sie beide Füsse flach auf den Boden.
  • Schlagen Sie die Beine nicht übereinander.
  • Legen Sie den unbekleideten Arm entspannt auf einen Tisch. Die Manschette befindet sich ungefähr auf Herzhöhe.
  • Sprechen und bewegen Sie sich während der Messung nicht.
  • Führen Sie im Abstand von ein bis zwei Minuten zwei Messungen durch und notieren Sie die Ergebnisse.

Wer den Blutdruck über mehrere Tage dokumentieren soll, misst in der Regel morgens und abends unter vergleichbaren Bedingungen. Am Morgen erfolgt die Messung möglichst nach dem Toilettengang, aber vor Kaffee, Frühstück und Blutdruckmedikamenten. Die individuelle Vorgehensweise sollte mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden.

Ein hoher Einzelwert ist noch keine Diagnose

Der Blutdruck schwankt im Tagesverlauf. Er steigt bei Bewegung, Stress, Schmerzen oder Kälte und sinkt normalerweise während der Nachtruhe. Deshalb wird eine Hypertonie gewöhnlich nicht anhand einer einzigen Messung diagnostiziert.

In der Arztpraxis kann zudem der sogenannte Weisskitteleffekt auftreten. Die Werte sind dort erhöht, zu Hause aber normal. Möglich ist auch das Gegenteil: Bei einer maskierten Hypertonie erscheinen die Praxiswerte unauffällig, während sie im Alltag regelmässig zu hoch sind.

Heimmessungen oder eine ambulante 24-Stunden-Messung helfen, solche Unterschiede zu erkennen. Das tragbare Gerät misst den Blutdruck wiederholt am Tag und in der Nacht. Dadurch entsteht ein wesentlich genaueres Bild als durch eine einzelne Kontrolle.


Eine 24-Stunden-Messung erfasst den Blutdruck während des gewohnten Alltags und in der Nacht. Sie kann einen Weisskitteleffekt oder einen ausserhalb der Praxis erhöhten Blutdruck sichtbar machen.

Wer seinen Blutdruck besonders im Blick behalten sollte

Das Risiko steigt mit zunehmendem Alter. Auch eine familiäre Veranlagung spielt eine Rolle. Weitere wichtige Faktoren sind Übergewicht, Bewegungsmangel, Rauchen, ein hoher Salzkonsum, regelmässiger Alkoholkonsum, Diabetes, Nierenerkrankungen und Schlafapnoe.

Bei Frauen verändert sich das Risiko häufig nach den Wechseljahren. Welche Rolle Östrogen dabei spielen kann, erläutert der Beitrag über den Zusammenhang zwischen Hormonen, Gefässerweiterung und Blutdruck.

Auch jüngere Menschen können betroffen sein. Sehr hohe Werte, ein plötzlich auftretender Bluthochdruck oder eine Hypertonie in jungen Jahren können auf eine behandelbare Ursache hinweisen. Dazu gehören beispielsweise bestimmte Nieren- und Hormonerkrankungen oder eine Schlafapnoe.

Während einer Schwangerschaft gelten besondere Regeln. Erhöhte Blutdruckwerte sollten dort zeitnah medizinisch beurteilt werden, da sie auf eine Schwangerschaftshypertonie oder Präeklampsie hinweisen können.

Wann eine ärztliche Abklärung sinnvoll ist

Wiederholte Praxiswerte ab 140/90 mmHg oder durchschnittliche Heimmessungen ab 135/85 mmHg gehören ärztlich abgeklärt. Das gilt auch bei stark schwankenden Werten oder wenn das Messgerät wiederholt einen unregelmässigen Puls anzeigt.

Zur Abklärung gehören gewöhnlich mehrere Blutdruckkontrollen. Je nach Situation kommen eine 24-Stunden-Messung, Blut- und Urinuntersuchungen oder ein EKG hinzu. Dabei wird auch nach weiteren Risikofaktoren, möglichen Ursachen und bereits entstandenen Organschäden gesucht.

Messprotokoll und Gerät dürfen zum Termin mitgenommen werden. So kann geprüft werden, ob die Manschette passt und die Messmethode stimmt.

Wann ein sehr hoher Wert zum Notfall wird

Zeigt das Gerät einen Wert über 180/120 mmHg, sollten Sie ruhig sitzen bleiben und nach etwa einer Minute erneut messen. Bleibt der Wert so hoch, ist eine rasche medizinische Rücksprache erforderlich.

Treten gleichzeitig Brustschmerzen, Atemnot, eine plötzlich auftretende Lähmung oder Taubheit, Sprachstörungen, starke Verwirrtheit, Sehstörungen oder andere schwere Beschwerden auf, kann ein akuter Notfall vorliegen. Alarmieren Sie in der Schweiz sofort den Sanitätsnotruf unter 144.

Nehmen Sie nicht eigenmächtig eine zusätzliche Dosis Ihrer Blutdruckmedikamente ein. Ein zu schneller Blutdruckabfall kann ebenfalls gefährlich sein.

Was nach der Diagnose geschieht

Die Behandlung richtet sich nicht nur nach den gemessenen Zahlen. Alter, Begleiterkrankungen und das gesamte Herz-Kreislauf-Risiko werden ebenfalls berücksichtigt.

Regelmässige Bewegung, eine ausgewogene Ernährung, weniger Salz, der Verzicht auf Tabak, ein gesundes Körpergewicht und ein bewusster Umgang mit Alkohol können den Blutdruck günstig beeinflussen. Wie Alkohol den Körper und das Urteilsvermögen belastet, zeigt der ausführliche Ratgeber über Alkohol und seine Risiken.

Lebensstiländerungen ersetzen verordnete Medikamente jedoch nicht automatisch. Blutdrucksenker dürfen weder unregelmässig eingenommen noch ohne ärztliche Rücksprache abgesetzt werden.


Regelmässige Bewegung unterstützt die Herz-Kreislauf-Gesundheit und kann zur Blutdrucksenkung beitragen. Sie ergänzt die ärztliche Behandlung, ersetzt verordnete Medikamente aber nicht eigenmächtig.

Video-Tipp: Diagnose und Behandlung verständlich erklärt

In diesem ausführlicheren Fachgespräch erklären zwei Ärzte, wie Bluthochdruck festgestellt wird, welche Untersuchungen sinnvoll sind und wann eine Behandlung notwendig wird.



Fazit

Bluthochdruck lässt sich nicht zuverlässig fühlen. Wer auf Kopfschmerzen oder andere Warnzeichen wartet, kann die Erkrankung lange übersehen. Entscheidend sind korrekt durchgeführte und wiederholte Messungen.

Ein einzelner erhöhter Wert ist noch keine Diagnose. Bestätigen sich die Werte jedoch zu Hause oder in der Praxis, sollte die Ursache ärztlich abgeklärt werden. Früh erkannt lässt sich Bluthochdruck meist gut behandeln – und das Risiko schwerer Folgeerkrankungen deutlich senken.

 

Bildquellen: Bild 1: Symbolbild © fizkes/Shutterstock.com; Bild 2: Symbolbild © Miljan Zivkovic/Shutterstock.com; Bild 3: Symbolbild © Paul Maguire/Shutterstock.com; Bild 4: Symbolbild © Studio Romantic/Shutterstock.com

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