Weltstillwoche 2026: Gute Unterstützung ist wichtiger als Perfektion
von belmedia Redaktion -schweizweit Allgemein Alltag Arbeitswelt Ausbildung & Studium Beruf Beschäftigung Betrieb Bildung Bildung & Arbeit Business Business business24.ch businessaktuell.ch Eltern elterntipps.ch Ernährung Essen & Trinken Familie Familienleben Geburt Gesundheit Homeoffice hospital.ch Karriere Lifestyle Magazine Medizin Nachhaltigkeit nachrichtenticker.ch News Regionen Schweiz Themen Tipps Trends Vital xund24.ch Ⳇ Verbreitung
Stillen wirkt selbstverständlich. Im Alltag ist es das jedoch längst nicht immer. Schmerzen, Unsicherheit, Schlafmangel und die Rückkehr an den Arbeitsplatz können den Start erschweren. Die Weltstillwoche vom 1. bis 7. August 2026 erinnert deshalb daran: Ob Stillen gelingt, darf nicht allein von der Mutter abhängen.
Das internationale Motto lautet 2026 sinngemäss: «Stillen für einen nachhaltigen Start ins Leben – stärken, was funktioniert». In der Schweiz findet die nationale Aktionswoche dieses Jahr vom 14. bis 20. September unter dem Motto «Gemeinsam – Stillen stärken» statt. Die abweichenden Termine verfolgen dasselbe Ziel: Familien brauchen verständliche Informationen, fachkundige Hilfe und passende Rahmenbedingungen.
Was beim Stillen empfohlen wird
Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt, ein Baby möglichst innerhalb der ersten Stunde nach der Geburt anzulegen und während der ersten sechs Monate ausschliesslich zu stillen. Danach kommen geeignete Lebensmittel hinzu. Weitergestillt werden kann bis zum Alter von zwei Jahren oder darüber hinaus.
Die Schweizer Empfehlungen sind etwas flexibler formuliert. Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen BLV empfiehlt ausschliessliches Stillen in den ersten Lebensmonaten. Beikost wird entsprechend der Entwicklung des Kindes zwischen Beginn des fünften und Beginn des siebten Monats eingeführt.
Solche Zeitangaben sind eine fachliche Orientierung, kein persönlicher Leistungstest. Gesundheit, Milchbildung, Schmerzen, Frühgeburt, Medikamente und die familiäre Situation können beeinflussen, wie ein Kind ernährt wird.
Wie Säuglinge in der Schweiz ernährt werden
Die aktuelle Schweizer Säuglingsernährungsstudie SWIFS 2024 zeigt eine positive Entwicklung. Nach Angaben des BLV haben 97 Prozent der befragten Mütter unmittelbar nach der Geburt gestillt. Mehr als die Hälfte stillte während vier Monaten ausschliesslich. Viele Babys wurden auch im weiteren Verlauf ihres ersten Lebensjahres teilweise gestillt.
Die Ergebnisse zeigen zugleich, wie wichtig das Umfeld ist. Bei guter sozialer Unterstützung und höherem Einkommen fällt die Stilldauer tendenziell länger aus. Psychische Belastungen, gesundheitliche Probleme oder schwierige Lebensumstände können sie verkürzen.
Weitere Ergebnisse der Schweizer Studie fasst der Beitrag über die Säuglingsernährung in der Schweiz zusammen.
Unterstützung beginnt mit praktischer Entlastung
Ein Partner kann das Stillen nicht übernehmen. Er kann aber Windeln wechseln, das Baby nach dem Trinken beruhigen, Essen zubereiten oder Besuche organisieren. Auch Grosseltern, Freunde und Nachbarn helfen am meisten, wenn sie konkrete Aufgaben abnehmen.
Gut gemeinte Kommentare sind dagegen nicht immer hilfreich. Aussagen wie «Das Kind wird bestimmt nicht satt» oder «Bei uns ging das problemlos» erhöhen den Druck. Besser sind offene Fragen: Was brauchst du? Soll ich eine Hebamme anrufen? Möchtest du schlafen, während ich mich um den Haushalt kümmere?
Unterstützung bedeutet ebenfalls, eine informierte Entscheidung zu respektieren. Manche Mütter stillen vollständig. Andere kombinieren Muttermilch und Säuglingsanfangsnahrung oder verwenden ausschliesslich die Flasche. Keine dieser Situationen rechtfertigt Schuldzuweisungen.
Schmerzen sollten nicht einfach ausgehalten werden
Die ersten Tage können ungewohnt sein. Anhaltende starke Schmerzen, offene Brustwarzen oder ein Baby, das kaum trinkt, sollten jedoch frühzeitig beurteilt werden. Oft lässt sich die Situation verbessern, wenn Anlegeposition und Saugverhalten fachkundig kontrolliert werden.
Eine gerötete, überwärmte und schmerzhafte Brust kann auf einen Milchstau oder eine Entzündung hinweisen. Kommen Fieber, Schüttelfrost oder ein deutliches Krankheitsgefühl hinzu, ist rascher medizinischer Rat wichtig.
Anlaufstellen sind Hebammen, Stillberaterinnen, Kinderärzte, Frauenärzte und Wochenbettstationen. In der Schweiz übernimmt die obligatorische Krankenpflegeversicherung die Kosten für drei Stillberatungen durch eine Hebamme oder eine entsprechend ausgebildete Pflegefachperson – ohne Kostenbeteiligung.
Stillen nach der Rückkehr in den Beruf
Etwa die Hälfte der Teilnehmerinnen der SWIFS-Studie kehrte im ersten Lebensjahr des Kindes an den Arbeitsplatz zurück. Berufstätige Mütter stillten im Durchschnitt 17,4 Wochen, nicht erwerbstätige 21,8 Wochen. Betriebliche Bedingungen können daher einen spürbaren Unterschied machen.
Im ersten Lebensjahr des Kindes zählt eine Mindestdauer als bezahlte Arbeitszeit: 30 Minuten bei einem Arbeitstag bis vier Stunden, 60 Minuten bei mehr als vier und 90 Minuten bei mehr als sieben Stunden. Das gilt für das Stillen und das Abpumpen.
Der Arbeitgeber muss einen hygienischen Raum mit Sichtschutz bereitstellen. Eine Toilette ist laut Staatssekretariat für Wirtschaft SECO ungeeignet. Auch eine verlässliche Kühlmöglichkeit und planbare Pausen erleichtern den Alltag. Welche Anforderungen allgemein an Sozialräume in Schweizer Betrieben gestellt werden, erläutert ein eigener Ratgeber.
Wenn Stillen nicht möglich ist
Säuglingsanfangsnahrung ist eine sichere Alternative, wenn eine Mutter nicht stillen kann oder möchte. Entscheidend sind das passende Produkt, saubere Hände, hygienische Flaschen und eine genaue Zubereitung nach den Herstellerangaben.
Auch abgepumpte Muttermilch muss sauber gewonnen, korrekt gekühlt und altersgerecht verfüttert werden. Bei Unsicherheit helfen Hebammen, Stillberatungen und Kinderarztpraxen weiter.
Eine gute Stillförderung setzt Eltern nicht unter Druck. Sie schafft Bedingungen, unter denen eine informierte Entscheidung möglich wird. Dazu gehören ehrliche Informationen über Vorteile und Schwierigkeiten ebenso wie ein respektvoller Umgang mit Familien, die einen anderen Weg wählen.
Video-Tipp: Stillen mit Hindernissen
Der Film von Stillförderung Schweiz begleitet eine Mutter, deren Stillstart anders verlief als erhofft. Er zeigt, weshalb fachkundige Beratung, Geduld und Unterstützung wichtiger sind als die Vorstellung eines perfekten Verlaufs.
Fazit
Die Weltstillwoche lenkt den Blick weg von der vermeintlichen Einzelleistung einer Mutter. Stillen braucht Zeit, Wissen und ein unterstützendes Umfeld. Familien, Fachpersonen, Arbeitgeber und Gesellschaft tragen gemeinsam Verantwortung dafür.
Wo Schwierigkeiten auftreten, sollte Hilfe früh erreichbar sein. Wo Stillen nicht möglich oder nicht gewünscht ist, braucht es sichere Alternativen ohne Beschämung. Genau das bedeutet zeitgemässe Stillförderung: informieren, ermöglichen und persönliche Entscheidungen respektieren.
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