Zahnverletzungen verhindern: Mundschutz im Eishockey richtig auswählen
von belmedia Redaktion -schweizweit Allgemein Alltag Eishockey Gesundheit Inspiration Konzeption Lifestyle Magazine nachrichtenticker.ch News Prävention Regionen Schweiz Sicherheit Sport Sport & Spiel sportaktuell.ch Themen Tipps xund24.ch Ⳇ Verbreitung
Ein Puck im Gesicht, ein hochschnellender Stock oder ein Zusammenstoss mit einem Gegenspieler kann innerhalb von Sekunden zu abgebrochenen, verschobenen oder vollständig ausgeschlagenen Zähnen führen. Ein geeigneter Mundschutz nimmt einen Teil der einwirkenden Kräfte auf und verteilt sie über eine grössere Fläche.
Voraussetzung ist eine präzise Passform. Ein zu lockeres Modell stört beim Atmen und Sprechen, verrutscht im entscheidenden Moment oder wird während des Spiels herausgenommen. Zwischen einfachen Fertigmodellen und einer zahnärztlichen Sonderanfertigung bestehen deutliche Unterschiede.
Warum das Gebiss trotz Helm gefährdet bleibt
Eishockey gehört nach der Einordnung der Schweizerischen Gesellschaft für Sportzahnmedizin zu den Sportarten mit sehr hohem Risiko für Zahnverletzungen. Die Gefahr entsteht keineswegs nur bei einem direkten Treffer auf die Schneidezähne. Auch ein Schlag gegen Unterkiefer oder Kinn kann die Zahnreihen heftig aufeinanderschlagen lassen.
Ein Mundschutz bildet eine dämpfende Schicht zwischen den Zähnen. Er kann das Risiko für Zahnbrüche, Zahnlockerungen und Verletzungen der Lippen oder Wangen verringern. Gleichzeitig schützt er die Zähne davor, bei einem Aufprall unmittelbar aufeinanderzutreffen.
Ein Gitter oder Vollvisier macht den Mundschutz nicht überflüssig. Der Gesichtsschutz hält Puck und Stock weitgehend vom Gesicht fern, kann jedoch nicht jede Kraft auffangen, die bei einem Sturz oder Körperkontakt auf den Kiefer wirkt.
Wann ist der Zahnschutz in der Schweiz vorgeschrieben?
Die Anforderungen hängen von Alter, Liga und verwendetem Gesichtsschutz ab. Nach dem zuletzt veröffentlichten Ausrüstungsmerkblatt der Swiss Ice Hockey Federation müssen Feldspieler der Altersklasse U20 einen Zahnschutz tragen, wenn sie keinen Vollgesichtsschutz verwenden. In der Schweizer U21 gilt diese Vorgabe auch für ältere Spieler, sofern sie mit Visier statt mit Vollgesichtsschutz spielen.
Spielern der Kategorie U18 wird ein Mundschutz trotz des vorgeschriebenen Vollgesichtsschutzes ausdrücklich empfohlen. Für erwachsene Spieler in Aktivligen kann er je nach Altersklasse und Ausrüstung optional sein. Medizinisch sinnvoll bleibt er dennoch.
Da Reglemente angepasst werden können, sollten Spieler und Eltern vor der Saison die aktuellen Vorgaben des Vereins und der SIHF prüfen. Eine Übersicht über die übrigen Schutzteile bietet der Beitrag «Sicher aufs Eis: Welche Eishockey-Ausrüstung Einsteiger wirklich brauchen».
Drei Arten von Mundschutz
Im Handel und in Zahnarztpraxen werden hauptsächlich drei Varianten angeboten.
Fertiger Mundschutz
Ein konfektioniertes Modell wird in einer vorgegebenen Form und Grösse gekauft. Es ist günstig und sofort verwendbar, lässt sich jedoch kaum an das individuelle Gebiss anpassen. Häufig muss der Spieler die Zähne zusammenbeissen, damit es nicht verrutscht. Das erschwert Atmung und Kommunikation.
Erwärmbarer Mundschutz
Der sogenannte «Boil-and-bite»-Mundschutz wird in heissem Wasser erwärmt und anschliessend durch vorsichtiges Andrücken und Zubeissen geformt. Bei korrekter Anpassung sitzt er besser als ein unveränderbares Fertigmodell. Fehler beim Erwärmen können das Material jedoch zu dünn werden lassen oder die vorgesehene Schutzform verziehen.
Individuell angefertigter Mundschutz
Für eine Sonderanfertigung nimmt die Zahnarztpraxis einen Abdruck oder digitalen Scan des Gebisses. Im Labor entsteht daraus ein mehrschichtiger, auf Sportart, Gebiss und Alter abgestimmter Schutz. Die Schweizerische Gesellschaft für Sportzahnmedizin bewertet diese Variante als die zuverlässigste. Ihre aktuelle Richtlinie sieht je nach Sport eine Materialstärke von etwa vier bis fünf Millimetern im Bereich der Schneidezähne vor.
Woran ist eine gute Passform zu erkennen?
Ein guter Mundschutz sitzt üblicherweise auf der oberen Zahnreihe. Er bleibt auch bei leicht geöffnetem Mund an seinem Platz und muss nicht durch ständiges Zusammenbeissen festgehalten werden.
Bei der Anprobe helfen sieben Kriterien:
- Der Mundschutz sitzt fest und wackelt nicht.
- Er deckt die gefährdeten Zähne ausreichend ab.
- Scharfe Kanten oder drückende Stellen fehlen.
- Die Lippen lassen sich entspannt schliessen.
- Atmung und Schlucken bleiben ungehindert möglich.
- Kurze Zurufe sind verständlich.
- Das Material löst keinen starken Würgereiz aus.
Sehr dünn geschliffene oder zurechtgeschnittene Stellen können die Schutzwirkung vermindern. Eigenmächtige Änderungen mit Schere oder Messer sind deshalb keine gute Lösung. Stört ein individuell gefertigtes Modell, kann die Zahnarztpraxis es gezielt nacharbeiten.
Wann lohnt sich die Sonderanfertigung?
Für regelmässiges Training, Ligaspiele und intensiven Körperkontakt ist ein individuell gefertigter Mundschutz die überzeugendste Wahl. Er kostet mehr als ein Modell aus dem Sportgeschäft, lässt sich aber besser an Zahnstellung, Kieferform und benötigte Materialstärke anpassen.
Der feste Sitz ist zudem ein praktischer Vorteil. Wer frei atmen, Anweisungen geben und trinken kann, akzeptiert den Schutz eher dauerhaft. Ein theoretisch gutes Modell hilft wenig, wenn es wegen schlechter Passform in der Garderobe bleibt.
Bei Kindern und Jugendlichen muss die weitere Gebissentwicklung berücksichtigt werden. Neue Zähne, Kieferwachstum und kieferorthopädische Behandlungen können die Passform verändern. Die aktuelle Schweizer Richtlinie weist darauf hin, dass fachgerecht angefertigte Modelle während des Wachstums teilweise mehrfach angepasst werden können.
Mundschutz bei Zahnspange
Eine feste Zahnspange ist kein Grund, vollständig auf Zahnschutz zu verzichten. Benötigt wird jedoch ein Modell, das genügend Raum für Brackets, Drähte und Zahnbewegungen bietet. Ein gewöhnlicher erwärmbarer Mundschutz kann sich zu eng um die Apparatur legen und sollte nicht ohne Rücksprache angepasst werden.
Am besten stimmen Eltern und Spieler die Auswahl mit dem behandelnden Kieferorthopäden ab. Nach den SIHF-Bestimmungen ist eine Befreiung von der Tragpflicht nur vorgesehen, wenn die Zahnkorrektur das Tragen tatsächlich unmöglich macht und ein entsprechendes Arztzeugnis vorliegt.
Reinigung und Aufbewahrung
Nach jedem Einsatz wird der Mundschutz mit kaltem oder lauwarmem Wasser abgespült. Eine weiche Zahnbürste kann Beläge entfernen. Heisses Wasser, Geschirrspüler und direkte Heizungswärme sind ungeeignet, weil sich das Material verformen kann.
Vor dem Einpacken sollte der Schutz trocknen. Eine feste Box mit Lüftungsöffnungen schützt ihn in der Hockeytasche vor Schmutz und Beschädigungen. Die Dose selbst muss ebenfalls regelmässig gereinigt werden. Ein Mundschutz ist ein persönlicher Hygieneartikel und darf nicht mit anderen Spielern geteilt werden.
Wann muss der Mundschutz ersetzt werden?
Ein starrer Austausch nach jeder Saison ist nicht in jedem Fall erforderlich. Entscheidend ist der Zustand. Ersatz oder eine fachliche Kontrolle sind angezeigt, wenn:
- Risse, Löcher oder tiefe Bissspuren sichtbar werden;
- der Schutz plötzlich locker sitzt;
- Materialränder hart, rau oder scharf geworden sind;
- neue Zähne durchbrechen oder sich die Zahnstellung verändert;
- eine Zahnspange eingesetzt oder verstellt wurde;
- eine grössere Zahnbehandlung stattgefunden hat;
- der Mundschutz trotz Reinigung unangenehm riecht oder verfärbt ist.
Individuelle Modelle sollten zur routinemässigen Zahnkontrolle mitgebracht werden. So lassen sich Sitz, Material und mögliche Schäden überprüfen.
Was ein Mundschutz nicht leisten kann
Auch ein hochwertiges Modell verhindert nicht jede Verletzung. Es ersetzt weder Helm und Gesichtsschutz noch kontrolliertes Spielverhalten und eine korrekte Technik. Eine zuverlässige Vorbeugung von Gehirnerschütterungen durch Mundschutz ist wissenschaftlich bislang nicht eindeutig belegt. Entsprechende Werbeversprechen sollten daher kritisch betrachtet werden.
Sicheres Bremsen, kontrolliertes Fallen und das Vermeiden gefährlicher Stockbewegungen bleiben wichtige Bestandteile der Unfallprävention. Grundlagen zur körperlichen Vorbereitung erläutert der Beitrag über das Sommertraining im Eishockey.
Fazit
Der richtige Mundschutz sitzt fest, ohne dass der Spieler darauf beissen muss. Er beeinträchtigt weder Atmung noch Kommunikation und besitzt in den gefährdeten Bereichen genügend Materialstärke. Ein erwärmbares Modell kann für gelegentliche Einsätze genügen, sofern es sorgfältig angepasst wird.
Für regelmässiges Training und Wettkämpfe bietet eine zahnärztliche Sonderanfertigung den verlässlichsten Sitz und die am besten planbare Schutzwirkung. Regelmässige Kontrollen, gründliche Pflege und rechtzeitiger Ersatz sorgen dafür, dass der Mundschutz seine Aufgabe auch nach vielen Einsätzen erfüllen kann.
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