Stand-up-Paddling für Gesundheit und Fitness: Sicher aufs Board steigen in Freizeit und Ferien
von belmedia Redaktion -schweizweit Aktiv & Abenteuer Allgemein Alltag beautytipps.ch Draussen elterntipps.ch Fitness Freizeit Inspiration Lifestyle Magazine nachrichtenticker.ch Natur Natur & Naturereignisse Natur & Umwelt News Orte Prävention Regionen Reisen Reisen & Ausflüge reiseziele.ch Schweiz Schweiz Sicherheit Sport sportaktuell.ch Strand & Meer Themen Tipps tourismus.ch Trends Trips xund24.ch Zubehör Ⳇ Verbreitung
Ein Board, ein Paddel und eine ruhige Wasserfläche: Viel mehr scheint es für die ersten Meter beim Stand-up-Paddling nicht zu brauchen. Ganz so einfach ist es allerdings nicht. Wind, kaltes Wasser und fehlende Ausrüstung können aus einer entspannten Tour überraschend schnell eine ernste Situation machen.
Wer einige Grundlagen kennt, findet jedoch rasch einen sicheren Einstieg. Stand-up-Paddling lässt sich gemütlich betreiben, sportlich gestalten oder mit einem Ausflug verbinden. Gerade die Schweizer Seen bieten dafür viele Möglichkeiten.
Stand-up-Paddling: Was steckt hinter dem Trendsport?
Beim Stand-up-Paddling steht man auf einem vergleichsweise breiten Board und bewegt sich mit einem Stechpaddel fort. Die Abkürzung SUP wird sowohl für die Sportart als auch umgangssprachlich für das Board verwendet. Anfänger beginnen häufig kniend und richten sich erst auf, wenn sie sich an die Bewegungen des Boards gewöhnt haben.
Der Reiz liegt in der Vielseitigkeit. Eine gemütliche Runde am Ufer fühlt sich fast wie ein Spaziergang auf dem Wasser an. Wer kräftiger paddelt oder eine längere Strecke zurücklegt, trainiert Ausdauer, Gleichgewicht und Koordination. Rumpf, Beine, Schultern und Arme arbeiten dabei zusammen, ohne dass jede Tour gleich zum intensiven Workout werden muss.
Diese Mischung aus Bewegung und Naturerlebnis erklärt, warum der Outdoorsport auf dem Wasser so viele Menschen anspricht. Das Tempo lässt sich selbst bestimmen, und für den Einstieg braucht es keine jahrelange Erfahrung.
Das richtige Board für den Anfang
Für Einsteiger eignet sich ein breites und relativ langes Allround-Board. Es liegt stabiler im Wasser als ein schmales Race- oder Touring-Modell. Entscheidend ist zudem die zulässige Belastung. Neben dem eigenen Körpergewicht zählen auch Gepäck, ein mitfahrendes Kind oder ein Hund dazu.
Aufblasbare Boards, sogenannte iSUPs, lassen sich zusammengerollt transportieren und platzsparend lagern. Sie müssen allerdings mit dem vom Hersteller empfohlenen Druck aufgepumpt werden. Ein zu weiches Board biegt sich durch, läuft schlechter geradeaus und fühlt sich unsicher an. Feste Boards sind steifer und bieten häufig bessere Fahreigenschaften, benötigen aber mehr Platz für Transport und Aufbewahrung.
Vor einem Kauf lohnt es sich, verschiedene Modelle bei einer seriösen Vermietung oder in einem Einführungskurs zu testen. Ein Board, das auf dem Papier perfekt wirkt, kann sich auf dem Wasser ganz anders anfühlen.
Welche Ausrüstung gehört aufs Wasser?
Zum Board gehört ein längenverstellbares Stechpaddel. Für den Einstieg wird es meist etwas länger als die eigene Körpergrösse eingestellt. Die genaue Länge hängt von Fahrstil, Board und Körperbau ab. Wer ständig die Schultern hochzieht oder sich stark nach vorne beugen muss, sollte die Einstellung korrigieren.
Ausserdem sinnvoll sind:
- eine gut sitzende Schwimm- oder Rettungsweste,
- eine für das Gewässer geeignete Leash,
- Sonnenhut, Sonnencreme und ausreichend Trinkwasser,
- ein wasserdicht verpacktes Mobiltelefon,
- dem Wasser angepasste Kleidung,
- ein kleiner wasserdichter Beutel für Schlüssel und persönliche Dinge.
Die Wassertemperatur ist dabei mindestens so wichtig wie die Lufttemperatur. Ein warmer Sommertag bedeutet nicht automatisch warmes Wasser. Wer unerwartet hineinfällt, kann durch den Kältereiz die Kontrolle über Atmung und Bewegungen verlieren. Bei kühlem Wasser gehört deshalb geeigneter Kälteschutz zur Tourenplanung.
So gelingen die ersten Meter
Für die ersten Versuche empfiehlt sich eine ruhige, übersichtliche Stelle mit wenig Schiffsverkehr. Am besten beginnt man im knietiefen Wasser. Das schont die Finne und verhindert, dass man beim Aufsteigen direkt auf Steine fällt.
Zunächst wird kniend gepaddelt. Die Knie befinden sich ungefähr auf Höhe des Tragegriffs, also nahe der Boardmitte. Wer sich sicher fühlt, stellt einen Fuss nach dem anderen an die Position der Knie und richtet den Oberkörper langsam auf. Die Füsse stehen etwa hüftbreit, die Knie bleiben leicht gebeugt und der Blick geht nach vorne. Wer ständig auf die eigenen Zehen schaut, verliert leichter das Gleichgewicht.
Das Paddel wird möglichst nahe am Board ins Wasser gesetzt und gleichmässig nach hinten geführt. Für einen guten Vortrieb kommt die Bewegung nicht allein aus den Armen. Auch Oberkörper und Rumpf arbeiten mit. Ein Einführungskurs hilft, typische Fehler früh zu korrigieren. Dort lässt sich zudem üben, wie man nach einem Sturz wieder auf das Board gelangt.
Wer fällt, sollte möglichst seitlich ins Wasser springen und Abstand zum Board halten. Danach bleibt das Board die wichtigste Auftriebshilfe. Es sollte nur verlassen werden, wenn das Ufer unmittelbar erreichbar und die Situation eindeutig sicher ist.
Schwimmhilfe: Empfehlung und Vorschrift unterscheiden
Die Beratungsstelle für Unfallverhütung BFU empfiehlt, beim Stand-up-Paddling grundsätzlich eine Schwimm- oder Rettungsweste beziehungsweise eine Auftriebshilfe mit mindestens 50 Newton Auftrieb zu tragen.
Die rechtliche Mindestvorgabe ist enger gefasst: Wer sich mit dem SUP mehr als 300 Meter vom Ufer entfernt, muss für jede Person eine passende Rettungsweste oder Auftriebshilfe mit mindestens 50 Newton mitführen. Auf Flüssen gilt diese Ausrüstungspflicht ebenfalls. Das blosse Mitführen hilft bei einem überraschenden Sturz allerdings wenig. Sicherer ist es, die Weste von Beginn an korrekt zu tragen.
Kinder benötigen eine ihrem Gewicht und ihrer Grösse entsprechende Weste. Sie dürfen auf dem Wasser nicht unbeaufsichtigt bleiben. Bei kleinen Kindern bedeutet Aufsicht, dass eine erwachsene Person jederzeit unmittelbar eingreifen kann. Ein SUP ist weder eine Schwimmhilfe noch ein Ersatz für altersgerechte Wasserkompetenz.
Das Board muss gekennzeichnet sein
In der Schweiz gelten Stand-up-Paddle-Boards rechtlich als Paddelboote. Eine amtliche Zulassung ist für die üblichen SUP-Boards zwar nicht erforderlich, doch Name und Adresse des Eigentümers müssen gut sichtbar am Board angebracht sein.
Diese Kennzeichnung hilft Behörden und Rettungskräften, ein herrenlos treibendes Board zuzuordnen. Fehlen die Angaben, kann ein aufgefundenes Board eine aufwendige Suchaktion auslösen, weil unklar bleibt, ob sich eine Person im Wasser befindet.
Bei Nacht und schlechter Sicht ist ein weisses Rundumlicht vorgeschrieben. Wer erst kurz vor Sonnenuntergang startet, sollte die mögliche Rückkehrzeit realistisch einschätzen und das Licht vorsorglich dabeihaben.
Wind wird schnell zum grössten Gegner
Die wichtigste Wettergrösse beim SUP ist oft der Wind. Ein leichtes aufblasbares Board bietet eine grosse Angriffsfläche. Bereits mässiger Wind kann dazu führen, dass der Rückweg deutlich länger dauert als geplant. Besonders gefährlich ist ablandiger Wind, der Board und Paddler vom Ufer wegtreibt.
Vor dem Start gehören Wetterprognose, lokale Windverhältnisse und die offiziellen Warnungen auf den Kontrollzettel. Eine vernünftige Tour beginnt wenn möglich gegen den Wind. So steht für den Rückweg die günstigere Richtung zur Verfügung.
Nimmt der Wind unerwartet zu, senkt eine kniende Position die Angriffsfläche. Danach geht es ohne Umweg zum nächstgelegenen sicheren Ufer. Bei Gewitter, starkem Wind, dichtem Nebel oder Sturmwarnung gehört das SUP gar nicht erst aufs Wasser.
Rücksicht auf Schiffe und Natur
SUP-Fahrer sind auf dem Wasser vergleichsweise klein und werden von Schiffsführern leicht übersehen. Ausreichender Abstand zu Kursschiffen, Hafenanlagen und viel befahrenen Routen ist deshalb selbstverständlich. Kursschiffe, Güterschiffe, Berufsfischer bei der Arbeit und Segelschiffe haben gegenüber Paddelbooten Vorrang.
Auch Naturschutz- und Sperrzonen müssen beachtet werden. Schilfgürtel, Seerosenfelder und sensible Uferabschnitte sind Rückzugsorte für Vögel und andere Tiere. Tafeln, Bojen und lokale Verbote gelten auch dann, wenn eine stille Bucht besonders verlockend aussieht.
Wer eine Tour auf einem der zahlreichen Schweizer Seen plant, sollte sich deshalb vorab über Einstiegsstellen, Schutzgebiete und örtliche Schifffahrtsregeln informieren.
Leash am See, besondere Vorsicht auf Flüssen
Auf einem See hält eine Leash das Board nach einem Sturz in der Nähe. Sie wird normalerweise am dafür vorgesehenen Befestigungspunkt angebracht und am Fussgelenk oder unterhalb des Knies getragen.
Auf fliessenden Gewässern kann eine herkömmliche Leash jedoch lebensgefährlich werden. Bleibt sie an einem Ast, Stein, Pfosten oder anderen Hindernis hängen, drückt die Strömung die Person unter Wasser. Die BFU rät deshalb ausdrücklich davon ab, auf Flüssen eine normale Leash zu verwenden.
Flüsse gehören generell nicht zu den geeigneten Übungsplätzen für Anfänger. Strömung, Wehre, Brückenpfeiler, Treibholz und schwer erkennbare Hindernisse verlangen besondere Kenntnisse. Wer auf einem Fluss paddeln möchte, sollte einen passenden Kurs besuchen und sich mit örtlichen Gefahren sowie geeigneten Sicherheitssystemen vertraut machen.
SUP mit Kindern oder Hund
Ein Kind oder Hund auf dem Board verändert Schwerpunkt und Fahrverhalten. Deshalb sollte der Erwachsene das Board zunächst allein sicher beherrschen. Das gemeinsame Training beginnt in ruhigem, flachem Wasser und bleibt anfangs in Ufernähe.
Für Kinder ist eine passende Weste unverzichtbar. Hunde werden langsam an Board, Wasser und Bewegungen gewöhnt. Eine gut sitzende Hunde-Schwimmweste mit Griff kann das Zurückholen aufs Board erleichtern. Die maximale Traglast des Boards darf auch bei tierischen oder jungen Passagieren nicht überschritten werden.
Video-Tipp: Stand-up-Paddling lernen
Wie der Einstieg gelingt und welche Grundbewegungen wichtig sind, zeigt dieser Beitrag von „Wir in Bayern“ des Bayerischen Rundfunks.
Die kurze Checkliste vor dem Start
- Ist das Board unbeschädigt und korrekt aufgepumpt?
- Sind Name und Adresse gut sichtbar angebracht?
- Passt die Schwimmhilfe und wird sie getragen?
- Sind Wetter, Wind und Warnlage geprüft?
- Kennt eine weitere Person Route und Rückkehrzeit?
- Passt die Leash zum Gewässer?
- Sind Naturschutz- und Sperrzonen bekannt?
- Bleibt genügend Kraft für den Rückweg?
Fazit
Stand-up-Paddling ist leicht zugänglich, aber kein völlig risikofreier Zeitvertreib. Ein stabiles Board, eine passende Schwimmhilfe, etwas Technik und ein genauer Blick auf Wind und Wetter machen den entscheidenden Unterschied. Anfänger starten am besten auf ruhigem Wasser, bleiben zunächst in Ufernähe und lernen in einem Kurs, wie sie sich nach einem Sturz richtig verhalten.
Wer die Schweizer Vorschriften, andere Verkehrsteilnehmer und empfindliche Uferbereiche respektiert, kann das SUP vielseitig nutzen: für eine entspannte Feierabendrunde, einen sportlichen Ausflug oder eine neue Perspektive auf die Seenlandschaft.
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