Blut-Hirn-Schranke warnt das Gehirn frühzeitig vor gefährlichen Virusinfektionen
von belmedia Redaktion Allgemein Forschung Gesundheit hospital.ch Krankheiten Magazine Medizin nachrichtenticker.ch News Themen xund24.ch Ⳇ Verbreitung
Dringen Krankheitserreger wie Viren in den menschlichen Körper ein, beginnt sich das Gehirn binnen weniger Stunden nach der Infektion auf den Virenangriff vorzubereiten. Das zeigen neue Forschungsergebnisse der Rockefeller University.
Anhand von Mausmodellen hat das Team ein Signalnetzwerk entdeckt, das Vorabinformationen über eine Virusinfektion in beliebigen Regionen des Körpers an die Blut-Hirn-Schranke weiterleitet und so das Denkorgan auf den Angriff vorbereitet.
Alarmsignale aus jeder Körperregion
„Wir haben entdeckt, dass die Blut-Hirn-Schranke als eine Art zentraler Knotenpunkt für Immunsignale zwischen Körper und Gehirn fungiert“, sagt Tyler Lewy, Postdoc im Labor von Studienleiter Charles M. Rice, der mittlerweile an den National Institutes of Health im US-Bundesstaat Maryland arbeitet. „Das Vorhandensein von virusassoziierten Molekülen beispielsweise im Fuss reicht aus, um das Netzwerk auszulösen“, schreibt der Forscher.
Das durch Interferon angetriebene Netzwerk schützt nicht nur vor dem West-Nil-Virus, sondern auch vor einer Reihe anderer Viren, die Neuroentzündungen verursachen.
„Dieses Frühwarnsystem scheint ein allgemeiner Schutzmechanismus zu sein, der dem Gehirn Zeit gibt, sich gegen eine schwere, durch Viren verursachte Enzephalitis zu wappnen. Die Ergebnisse vertiefen unser Verständnis des komplexen Überwachungsapparats des Immunsystems und darüber, wie die beteiligten Signalwege beeinflussen, ob jemand eine Enzephalitis entwickelt“, erklärt Rockefeller-University-Forscher Rice.
Manchmal versagt die Blut-Hirn-Schranke
Die Blut-Hirn-Schranke verhindert, dass Giftstoffe und Krankheitserreger aus dem Blutkreislauf in das Gehirn gelangen, lässt jedoch essenzielle Nährstoffe und andere wichtige Moleküle durch.
„In fast allen Fällen verhindert die Blut-Hirn-Schranke äusserst wirksam, dass unerwünschte Stoffe eindringen, während sie gleichzeitig erwünschte Stoffe durchlässt und Abfallprodukte nach aussen transportiert“, ergänzt Lewy.
Aber es gebe noch viel Unbekanntes darüber, wie diese selektive Durchlässigkeit funktioniere – und manchmal scheitere sie auch, sodass Viren, die das Gehirn bedrohen, durchschlüpfen können, was zu mitunter tödlichen Enzephalitiden oder Meningitiden führen kann.
Nun wollen die Experten eine Therapie entwickeln, welche die durch Virusinfektionen ausgelösten Abwehrmassnahmen des Gehirns verstärkt und verhindert, dass Viren die Blut-Hirn-Schranke überwinden.
Quelle: pressetext.redaktion/Wolfgang Kempkens
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