HUG Genf: Das Universitätsspital im Porträt – Forschung, Finanzen und Medizin

Am 24. Juni 2026 meldet Frankreich den ersten Ebola-Fall auf europäischem Boden seit Beginn des aktuellen Ausbruchs in der Demokratischen Republik Kongo. Betroffen ist ein Arzt, der zuvor im Einsatzgebiet gearbeitet hatte. Die französischen Gesundheitsbehörden reagierten umgehend. Gleichzeitig richtete sich der Blick nach Genf. Hier hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ihren Hauptsitz. Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus mahnte zur Besonnenheit, lobte die schnelle Reaktion der Behörden und erinnerte an die enormen Risiken, denen medizinische Einsatzkräfte in Epidemiegebieten täglich ausgesetzt sind.

Doch Genf ist weit mehr als der Sitz der WHO. Von hier aus koordiniert Médecins Sans Frontières (MSF) zahlreiche internationale Hilfseinsätze. Und hier befinden sich die Hôpitaux Universitaires de Genève (HUG) mit dem einzigen Labor der biologischen Sicherheitsstufe 4 (BSL-4) der Schweiz – jenem Hochsicherheitslabor, in dem einige der gefährlichsten Krankheitserreger der Welt untersucht werden. Ebola gehört seit vielen Jahren zu den wissenschaftlichen Schwerpunkten der dortigen Forschung.

Eine Stadt im Spital

Wer das Gelände der Hôpitaux Universitaires de Genève (HUG) im Genfer Quartier Plainpalais zum ersten Mal betritt, erkennt schnell: Dieses Universitätsspital ist weit mehr als ein einzelnes Krankenhaus.

Zum HUG gehören acht Spitäler und rund 40 ambulante Einrichtungen im gesamten Kanton Genf. Mehr als 13’000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten hier in über 160 Berufen – von Pflegefachpersonen und Chirurgen über Informatiker, Hebammen und Transplantationsspezialisten bis hin zu Mitarbeitenden in Technik, Logistik oder Reinigung.


Das Gustave-Julliard-Gebäude der HUG im Genfer Quartier Plainpalais – Eingang zu einem der bedeutendsten Universitätsspitäler Europas.

Das HUG ist eine medizinische Infrastruktur von nationaler Bedeutung.

Seine Geschichte reicht fast fünf Jahrhunderte zurück. Bereits 1535 entstand in Genf das erste öffentliche Spital. 1602 wurden mehrere mittelalterliche Einrichtungen zum Allgemeinen Krankenhaus zusammengeführt. Damals vereinte diese Institution Krankenhaus, Altersheim, Waisenhaus, psychiatrische Einrichtung und Armenfürsorge unter einem Dach. Die Aufgaben haben sich seither grundlegend verändert – die gesellschaftliche Verantwortung ist geblieben.

Medizin im Grossformat

Welche Dimensionen moderne Universitätsmedizin heute erreicht, zeigen die aktuellen Kennzahlen eindrücklich.

2025 behandelte das HUG rund 66’300 stationäre Patientinnen und Patienten sowie mehr als 1,3 Millionen ambulante Fälle. Mit über 31’300 Eingriffen erreichte die chirurgische Tätigkeit einen neuen Höchststand. Statistisch entspricht das rund 85 Operationen täglich – von Routineeingriffen bis zu hochkomplexen Herzoperationen bei Neugeborenen.

Auch die Notfallmedizin arbeitet im Dauereinsatz. Bereits 2024 wurden fast 147’000 Patientinnen und Patienten in den Notfallstationen versorgt. Durchschnittlich sucht damit alle dreieinhalb Minuten ein Mensch medizinische Hilfe – wegen eines Herzinfarkts, eines schweren Unfalls, einer Vergiftung, einer psychiatrischen Krise oder einer komplizierten Geburt.

Das Genfer Modell verändert die Infektionsprävention

Nicht alle Erfolge eines Universitätsspitals lassen sich an Operationszahlen messen.

International bekannt wurde das HUG durch seine Arbeit zur Prävention von Spitalinfektionen. Über Jahre entwickelten Spezialisten Strategien, um Infektionen konsequent zu verhindern. Die WHO ernannte das Universitätsspital daraufhin zum Referenzzentrum für die Prävention von Gesundheitsinfektionen und würdigte damit eine jahrelange wissenschaftliche Pionierarbeit.

Die Zahl der Spitalinfektionen konnte deutlich reduziert werden. Das daraus entstandene «Genfer Modell» gilt heute international als Vorbild und wird unter anderem in Europa, Nordamerika sowie in China und Japan angewendet.

Was am Genfersee entwickelt wurde, trägt heute weltweit dazu bei, Patientinnen und Patienten besser vor vermeidbaren Infektionen zu schützen.

Video: Das HUG in Bildern

Die offizielle Retrospektive der HUG vermittelt einen seltenen Einblick in den Alltag eines Universitätsspitals – von der Patientenversorgung über die Forschung bis hin zur Ausbildung. Sie zeigt moderne Operationssäle, hochspezialisierte Labore und die Menschen, die täglich für die medizinische Versorgung im Einsatz stehen.



Neue Operationssäle für hochpräzise Medizin

Nach zehn Jahren Bauzeit hat das HUG eines der grössten Infrastrukturprojekte seiner Geschichte abgeschlossen.

Entstanden sind insgesamt 29 hochmoderne Räume: 24 Operationssäle, zwei Interventionsräume und drei sogenannte Hybridsäle. Mehrere Säle verfügen über integrierte Computertomografie- und Magnetresonanztomografie-Systeme, sodass Bildgebung und Operation unmittelbar miteinander kombiniert werden können.

Gerade in der Neurochirurgie sowie der Herz-, Gefäss- und Thoraxchirurgie ermöglicht diese Technik eine noch präzisere Navigation während komplexer Eingriffe und unterstützt Operateure bei schwierigen Entscheidungen.

Forschung und Ausbildung auf höchstem Niveau

Als Universitätsspital übernimmt das HUG neben der Patientenversorgung auch eine zentrale Rolle in Forschung und Lehre.

Gemeinsam mit der Medizinischen Fakultät der Universität Genf bildet das HUG jedes Jahr mehr als 1’230 Ärztinnen und Ärzte sowie rund 200 Lernende in medizinischen, technischen und administrativen Berufen aus.

Studierende und Assistenzärzte profitieren dabei von einer aussergewöhnlichen Bandbreite medizinischer Fälle, modernster Infrastruktur und einer engen Verzahnung zwischen klinischer Versorgung und Forschung. Entsprechend geniesst eine Ausbildung am HUG sowohl in der Schweiz als auch international einen ausgezeichneten Ruf.

Finanziell wieder stabil

Wie viele grosse Universitätsspitäler stand auch das HUG nach der COVID-19-Pandemie unter erheblichem finanziellem Druck.

2025 gelang jedoch die Rückkehr in die Gewinnzone. Bei einem Umsatz von rund 2,5 Milliarden Franken erwirtschaftete das Universitätsspital einen Überschuss von knapp 35 Millionen Franken.

Angesichts der angespannten wirtschaftlichen Lage vieler Schweizer Spitäler gilt dieses Ergebnis als Hinweis auf eine solide betriebswirtschaftliche Steuerung.

Ein Spital mit weltweiter Ausstrahlung

Das HUG behandelt, forscht und bildet aus – und gehört damit zu den bedeutendsten medizinischen Zentren der Schweiz.

Hier befindet sich das einzige BSL-4-Labor des Landes. Hier entstand das international anerkannte Genfer Modell zur Prävention von Spitalinfektionen. Und während Gesundheitsbehörden weltweit auf neue Ebola-Fälle reagieren, arbeiten in Genf Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler seit Jahren daran, hochgefährliche Erreger besser zu verstehen und Strategien für deren Eindämmung zu entwickeln.

Gerade in Zeiten globaler Gesundheitskrisen zeigt sich die besondere Rolle des Universitätsspitals Genf: Es ist nicht nur ein Ort der Spitzenmedizin, sondern ein wichtiger Baustein der internationalen Gesundheitsvorsorge.

 

Bildquellen: Bild 1: Symbolbild © Franck.schneider – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=74707764; Bild 2: Symbolbild © Adrien Ledeul/Shutterstock.com

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