Studie zeigt: Schlaganfälle steigen wieder – ethnische Ungleichheit wächst

Nach Jahrzehnten des Rückgangs steigen Schlaganfälle wieder an.

Dafür verantwortlich ist der Zuwachs in manchen ethnischen Minderheiten und die Konzentration bei sozioökonomisch benachteiligten Gruppen, wie eine Studie des King’s College London zeigt. Den Experten nach spiegeln sie grössere Muster wider, die weltweit in diversen städtischen Bevölkerungen zu beobachten sind. Dabei handelt es sich um immer grösser werdende gesundheitliche Ungleichheiten.

„London Stroke Register“

Die Fachleute des King’s College London weisen zudem auf die dringende Notwendigkeit einer verbesserten und allgemeinen Aufnahme von kardiovaskulären Risikoprogrammen hin. Die Studienergebnisse basieren auf dem „London Stroke Register“ (SLSR). Das ist eine der weltweit am längsten laufenden bevölkerungsbasierten Schlaganfallregister. Das SLSR erfasst jede Person, die erstmals einen Schlaganfall erlitten hat.

Dieses Register beschränkt sich auf den ethnisch vielfältigen Bereich von South London. Untersucht wird laut den Wissenschaftlern unter anderem, wie sich Schlaganfälle im Laufe der Zeit auf Lebensgemeinschaften auswirken. Dazu gehören auch Personen, die nie eine fachärztliche Betreuung erhalten haben dürften.

Zeitraum von 30 Jahren

Die jetzige Analyse über einen Zeitraum von 30 Jahren hat untersucht, wie sich das Risiko eines Schlaganfalls bei einer Population von 333’000 Menschen in Hinblick auf verschiedene ethnische und sozioökonomische Gruppen unterscheidet. 7’726 Personen erlitten einen Schlaganfall. Nach einem Rückgang von 34 Prozent zwischen 1995 und 1990 sowie 2010 bis 2014 stieg das Schlaganfallrisiko zwischen 2020 und 2024 um 13 Prozent. Das erwies sich jedoch als nicht gleichmässig verteilt.

Zwischen 2020 und 2024 war die Häufigkeit von Schlaganfällen bei Schwarzafrikanern und afrokaribischen Menschen mehr als doppelt so hoch wie in der weissen Population. Während der Laufzeit der Studie blieb diese Anzahl in diesen Gruppierungen hoch. Am stärksten betroffen waren Menschen, die unter einer sozioökonomischen Benachteiligung litten.

Laut Forschungsleiterin Camila Pantoja-Ruiz spiegelt dieser Trend teilweise die anhaltenden Auswirkungen der COVID-19-Pandemie wider. Während dieser Zeit verschlechterte sich der Zugang zur Erstversorgung, der Überwachung des Blutdrucks und der Verschreibung von Medikamenten, betont die Spezialistin.

Risikofaktoren erhöht

Im Vergleich zu weissen Teilnehmenden hatten Schwarzafrikaner und afrokaribische Menschen einen eher hohen Blutdruck. Die Werte lagen bei 47 respektive 29 Prozent. Diese Populationen litten mit 92 und 123 Prozent auch deutlich häufiger an Diabetes. Diese beiden Faktoren erhöhen das Risiko eines Schlaganfalls. Bei zwölf Prozent der Schwarzafrikaner war keiner dieser Risikofaktoren vor dem Schlaganfall diagnostiziert worden. Bei Weissen betrug dieser Anteil nur 6,3 Prozent.

Die ethnische Ungleichheit war bei intrazerebralen Blutungen am grössten. Dabei handelt es sich um eine schwere und häufig tödliche Art des Schlaganfalls, bei dem Blut direkt ins Gehirngewebe austritt. Laut Pantoja-Ruiz könnten dafür Unterschiede bei den Risikofaktoren verantwortlich sein.

Intrazerebrale Blutungen stehen mit einem unkontrollierten Bluthochdruck, der in den Black Communities häufiger auftritt, in einer stärkeren Verbindung. Zudem erhielten schwarze Überlebende eines Schlaganfalls, vor allem schwarzafrikanische Patienten, weniger wahrscheinlich eine zeitnahe Nachbehandlung. Bei schwarzafrikanischen Menschen waren die Chancen um 34 Prozent geringer, heisst es abschliessend.

 

Quelle: pressetext.redaktion/Moritz Bergmann
Bildquelle: Symbolbild © Tunatura/Shutterstock.com

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