Gereizte Patienten beeinflussen Emotionen und ärztliche Entscheidungen
von belmedia Redaktion -schweizweit Allgemein Alltag Forschung Gesundheit hospital.ch Krankheiten Magazine Medizin nachrichtenticker.ch News Pflege Prävention Regionen Schweiz Sicherheit Themen xund24.ch Ⳇ Verbreitung
Gereizte und frustrierte Patienten können sich negativ auf die Gefühle und das Verhalten von Ärzten auswirken. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der University of Massachusetts Amherst. Die Forscher sehen darin einen möglichen Einflussfaktor auf die Qualität der medizinischen Versorgung.
Mit einer neu entwickelten Versuchsmethode untersuchten die Wissenschaftler, wie sich das Verhalten von Patienten auf medizinisches Personal auswirkt. Die Ergebnisse wurden im Fachjournal „BMJ Quality & Safety“ veröffentlicht.
Brennpunkt Notaufnahme
Die Notaufnahme zählt seit jeher zu den stressigsten Arbeitsbereichen eines Krankenhauses. Nach Angaben der Forscher verschärfen wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklungen die Situation zusätzlich. Dazu gehören fehlender Krankenversicherungsschutz, steigende Gesundheitskosten, Einwanderung, Strafverfolgung sowie der wachsende Bedarf an psychiatrischer Versorgung und Suchthilfe.
Eine Folge sei, dass Patienten zunehmend gereizt reagieren und ihren Frust häufiger am medizinischen Personal auslassen. Forschungsleiterin Linda Isbell betont, dass von Ärzten lange erwartet worden sei, ihre eigenen Gefühle vollständig auszublenden. Dies sei jedoch nicht realistisch.
„Standardisierte Patienten“
Für die Studie entwickelten die Forscher einen Versuchsaufbau mit sogenannten standardisierten Patienten. Dabei handelt es sich um speziell geschulte Personen, die medizinische Situationen möglichst realistisch nachstellen. Vier Darsteller übernahmen jeweils sowohl die Rolle eines ruhigen als auch eines gereizten Patienten.
Alle Patienten lieferten identische medizinische Informationen. Unterschiede bestanden ausschliesslich im gezeigten emotionalen Verhalten. Die aufgezeichneten Arzt-Patienten-Interaktionen wurden 134 Notfallmedizinern aus 46 US-Bundesstaaten gezeigt. Jeder Teilnehmer sah nach dem Zufallsprinzip vier Videos – zwei mit ruhigen und zwei mit gereizten Patienten.
Eingetrübte Gefühlssituation
Anschliessend mussten die Ärzte diagnostische Entscheidungen treffen, Untersuchungsergebnisse bewerten und die weitere Versorgung planen. Zusätzlich beschrieben sie ihre Gefühlslage sowie ihr Engagement gegenüber den jeweiligen Patienten.
Die Ergebnisse zeigen, dass gereizte Patienten bei Ärzten häufiger Gefühle wie Wut, Angst und Erschöpfung auslösen. Gleichzeitig berichteten die Teilnehmer von einem geringeren Engagement bei der Behandlung. Zudem stuften sie die geschilderten Symptome und Schmerzen häufiger als weniger glaubwürdig oder übertrieben ein. Gereizte Patienten wurden insgesamt als weniger kooperativ eingeschätzt, und die Ärzte hielten ihre Rückkehr an den Arbeitsplatz für weniger wahrscheinlich.
Quelle: pressetext.redaktion/Moritz Bergmann
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