Weniger Muskelkraft, mehr Krebsrisiko? Forscher entdecken biologischen Mechanismus

Alternde Muskeln tragen zum Krebswachstum bei, da sie weniger extrazelluläre Vesikel freisetzen. Dabei handelt es sich um winzige Partikel, über die Zellen miteinander kommunizieren. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Duke-NUS. Die Forschenden zeigen zudem, dass Sport die geschwächte Schutzfunktion teilweise wiederherstellen kann.

Mit zunehmendem Alter verändert sich nicht nur die Menge, sondern auch die Zusammensetzung der freigesetzten Vesikel. Dadurch werden jene schützenden Signale abgeschwächt, die normalerweise helfen, die Entwicklung von Tumoren zu unterdrücken.

Muskelverlust bei Sarkopenie

Besonders deutlich werden die Auswirkungen alternder Muskeln bei der Sarkopenie. Diese Erkrankung ist durch den Verlust von Skelettmuskelmasse und Muskelkraft gekennzeichnet. Allein in Singapur ist etwa jeder dritte Erwachsene über 60 Jahre davon betroffen.

Die Folgen reichen von eingeschränkter Mobilität über den Verlust von Selbstständigkeit bis hin zu einer verminderten Lebensqualität. Die Forschungsergebnisse wurden in der Fachzeitschrift „Nature Communications“ veröffentlicht.

Gemeinsam mit Forschern des Singapore General Hospital und der Cardiff University stellten die Wissenschaftler der Duke-NUS fest, dass sarkopenische Muskeln deutlich weniger extrazelluläre Vesikel freisetzen. Zudem enthalten diese Vesikel im Alter geringere Mengen von miR-7a-5p.

Dabei handelt es sich um eine MicroRNA, also ein sehr kleines RNA-Molekül, das die Genexpression reguliert. Es beeinflusst, welche Proteine Zellen produzieren und in welchen Mengen diese hergestellt werden. Gleichzeitig spielt miR-7a-5p eine wichtige Rolle bei der Hemmung des Tumorwachstums.

Biologischer Zusammenhang entdeckt

Den Forschern zufolge wird die Freisetzung der extrazellulären Vesikel durch einen biologischen Signalweg gesteuert. Dieser Mechanismus nimmt mit zunehmendem Alter ab, kann jedoch durch körperliche Aktivität wieder aktiviert werden.

Die Studie liefert damit erstmals einen direkten biologischen Zusammenhang zwischen alternden Muskeln und dem Wachstum von Tumoren. Nach Ansicht der Wissenschaftler könnte der nachgewiesene Kommunikationsweg zwischen Muskeln und Tumoren künftig neue Ansätze für Therapien eröffnen.

Ziel wäre es, das Fortschreiten von Krebserkrankungen zu verhindern oder zumindest zu verlangsamen, indem gezielt in diesen biologischen Signalweg eingegriffen wird.

 

Quelle: pressetext.redaktion / Moritz Bergmann
Bildquelle: Symbolbild © PeopleImages/Shutterstock.com

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