Bienenfreundlicher Garten: So hilfst du Wildbienen mit Pflanzen, Nistplätzen und mehr

Ohne Bienen kein Apfel, keine Kirsche, keine Zucchetti. Rund 80 Prozent aller heimischen Nutz- und Wildpflanzen sind auf Bestäubung durch Insekten angewiesen – und Bienen spielen dabei die Hauptrolle. In der Schweiz gelten laut WWF nur noch 37 Prozent der über 600 heimischen Wildbienenarten als ungefährdet. Was ein einzelner Garten dagegen tun kann, ist erstaunlich viel.

Der Rückgang der Bienen ist keine Zukunftswarnung mehr – er ist Gegenwart. Intensive Landwirtschaft, Pestizide, versiegelte Flächen und das Verschwinden blütenreicher Wiesen haben dazu geführt, dass viele Bienenarten heute schlicht keine Nahrung und keinen Nistplatz mehr finden. Dabei reicht oft schon ein kleiner Garten oder ein Balkon, um echte Wirkung zu erzielen.

Was Bienen wirklich brauchen – zwei Dinge, nicht mehr

So komplex das Thema Biodiversität auch klingen mag – was Bienen brauchen, lässt sich auf zwei Grundbedürfnisse reduzieren: Nahrung und Nistplatz. Wer beides anbietet, hat seinen Garten in ein wertvolles Bienenhabitat verwandelt.

Nahrung bedeutet: Nektar und Pollen, von März bis Oktober, aus möglichst vielen verschiedenen Pflanzen. Nistplatz bedeutet: offene Erdflächen für Bodennister, trockenes Holz und Pflanzenstängel für Hohlraumnister. Die meisten Wildbienen – über 80 Prozent aller Arten – nisten nicht im Insektenhotel, sondern im Boden. Das wissen die wenigsten.

Die richtige Pflanzenwahl: Einheimisch schlägt exotisch

Nicht jede Blume, die schön aussieht, ist für Bienen nützlich. Gefüllte Blüten – wie man sie bei vielen Zuchtformen findet – sind optisch attraktiv, aber für Bienen wertlos: Nektar und Pollen sind hinter den zusätzlichen Blütenblättern nicht mehr erreichbar. Immer auf einfache, offene Blüten setzen.

Noch wichtiger ist die Herkunft: Einheimische Wildpflanzen sind hochgezüchteten Gartenpflanzen weit überlegen. Viele Wildbienenarten sind auf bestimmte einheimische Pflanzenarten spezialisiert – die Rainfarn-Maskenbiene etwa ausschliesslich auf Rainfarn. Solche spezialisierten Arten verhungern buchstäblich, wenn ihre Pflanze fehlt.

Bienenfreundliche Pflanzen: Von März bis Oktober

Der Schlüssel ist Kontinuität. Ein Garten, der im Mai üppig blüht, aber im März und September leer steht, hilft nur einem Teil der Bienenarten. Ziel ist eine Blütenkette von Frühjahr bis Herbst:

  • März–April (Frühblüher): Lungenkraut, Schlehe, Traubenhyazinthe, Blaustern, Primeln, Blaukissen – überlebenswichtig für Hummelköniginnen und frühe Wildbienenarten, die noch kaum Nahrung finden
  • Mai–Juni: Glockenblume, Skabiosenflockenblume, Schnittlauch, Rosmarin, Salbei, Borretsch, Kornblume, Himbeere – jetzt fliegen die meisten Arten gleichzeitig
  • Juli–August: Lavendel, Oregano, Sonnenhut, Schafgarbe, Dill, Färberkamille, Kapuzinerkresse, Sonnenhut – Hochsaison für Honig- und Wildbienen
  • September–Oktober: Astern, Natternkopf, Blutweiderich, Wegwarte, Efeu – wichtig als letzte Nektarquelle vor dem Winter, besonders für Hummelköniginnen

Profi-Tipp: Kräuter wie Thymian, Oregano und Dill nur teilweise ernten und blühen lassen – blühende Küchenkräuter sind ein absoluter Bienenmagntt und nützen gleichzeitig der Küche.



Was im Garten sonst noch zählt

Neben der Pflanzenwahl gibt es einige weitere Massnahmen, die wenig Aufwand erfordern, aber grosse Wirkung haben:

  • Pestizidfrei gärtnern: Viele im Handel erhältliche Pflanzen sind mit Pestiziden vorbehandelt. Wer Bienen fördern möchte, kauft am besten in Bio-Gärtnereien oder Gärtnereien, die ausdrücklich auf Pestizide verzichten.
  • Später schneiden: Pflanzenstängel erst ab Mitte März zurückschneiden. Viele Insekten überwintern in hohlen Stängeln. Wer im Februar aufräumt, entsorgt die Insektengeneration des laufenden Jahres gleich mit.
  • Mähpausen einlegen: Einen Teil des Rasens seltener mähen – Klee, Löwenzahn und andere «Unkräuter» sind für Bienen wertvolles Futter und für das Auge oft schöner als man denkt.
  • Offene Erdflächen lassen: Eine kleine, unbepflanzte, sandige Stelle in der Sonne genügt vielen Wildbienenarten als Nistplatz. Kein Vlies, keine Folie – einfach offene Erde.
  • Totholz belassen: Ein altes Stück Holz in einer Gartenecke bietet Hohlraumnistern Brutplatz und kostet nichts.

Insektenhotel – sinnvoll oder Dekoration?

Insektenhotels sind sinnvoll – wenn sie richtig gebaut und am richtigen Ort aufgestellt sind. Wichtig: Das Hotel muss an einem sonnigen, trockenen, windgeschützten Platz hängen, mindestens 1 Meter über dem Boden. Die Röhrchen müssen glatt innen sein und einen Durchmesser von 2–10 mm haben; Holzwolle, Tannenzapfen und ähnliche Füllungen sind Dekoration und nützen den Bienen nichts.

Das Wichtigste gilt aber auch hier: Ohne Nahrung in der Nähe nützt das beste Hotel nichts. Insektenhotel und Blühfläche gehören zusammen.

Video-Tipp: So hilfst du Wildbienen – Nahrung und Unterschlupf

Wer sehen möchte, wie ein bienenfreundlicher Garten in der Praxis aussieht und was konkret zu tun ist, dem empfehlen wir diesen aktuellen Beitrag des MDR Garten aus dem Jahr 2025 – mit vielen praktischen Tipps zu Pflanzen und Nistmöglichkeiten:



Fazit

Ein bienenfreundlicher Garten muss weder gross noch aufwendig sein. Wer ein paar einheimische Wildpflanzen mit langer Blütezeit setzt, auf Pestizide verzichtet, Stängel erst spät zurückschneidet und eine kleine offene Erdfläche in der Sonne lässt, leistet einen echten Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt. Die Bienen danken es auf ihre Art: mit Summen, Bestäubung – und einer reichen Ernte im eigenen Gemüsegarten.

 

Bildquellen: Bild 1: Symbolbild © Wirestock Creators/Shutterstock.com; Bild 2: Symbolbild © OlgaBombologna/Shutterstock.com

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