Neue S3-Leitlinie Delir: Klare Standards für die Versorgung im höheren Lebensalter
Die neue S3-Leitlinie Delir im höheren Lebensalter ist seit heute bei der AWMF publiziert.
So fängt das neue Jahr wirklich gut an: Koordiniert von der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DGG) und der Deutschen Gesellschaft für Gerontopsychiatrie und -psychotherapie (DGGPP), wurde eine Langfassung, eine Kurzfassung, wie auch eine Patientenleitlinie von mehr als 30 weiteren Fachgesellschaften und Berufsverbänden erarbeitet.
Die neue Leitlinie umfasst erstmals 69 evidenz- und konsensbasierte Empfehlungen für alle Versorgungssettings und definiert damit sektorenübergreifende Standards für die Prävention, Diagnostik, Therapie und Nachsorge eines Delirs von hochbetagten Patientinnen und Patienten.
Von der ambulanten Versorgung, der Notaufnahme, über das Krankenhaus und bis hin zur Pflegeeinrichtung und Rehabilitation adressiert die S3-LL alle zentralen Fragen der Versorgungspraxis von der Früherkennung, Prävention, leitliniengerechten Therapie bis zur Nachsorge.
So gilt die Publikation als eines der bisher grössten interprofessionellen Leitlinienprojekte im deutschsprachigen Raum.
Fokus auf nicht-medikamentöser Prävention und Therapie
Ein zentrales Merkmal der Leitlinie ist der klare Fokus auf nicht-medikamentöse Massnahmenbündel, sogenannte Multikomponenten-Interventionen, wie zum Beispiel strukturierte Kommunikation, Orientierungshilfen, Mobilisationsförderung und Schlafunterstützung.
Massnahmen dieser Art seien fester Bestandteil der leitlinienbasierten Versorgung. Sie ermöglichen insbesondere auch professionell Pflegenden eine evidenzbasierte Handlungsgrundlage.
Dabei stützt sich Thomas auch auf die von ihr geleiteten und vom Innovationsausschuss des G-BA geförderten Projekte DELEIhLA und PAWEL, auf deren Ergebnisse die neue S3-Leitlinie massgeblich basiert.
Hohe Bedeutung für die Versorgung älterer Menschen
Die Direktorin der Klinik für Geriatrie an der Universitätsmedizin Göttingen war federführend für die DGG an der Erstellung der Leitlinie beteiligt. „Ein Delir bei unserem Patientenklientel ist häufig, schwerwiegend und wird oft nicht erkannt!“, erklärt die Geriaterin.
Denn die akute Funktionsstörung des Gehirns tritt häufig bei älteren Menschen auf und gilt zugleich als die folgenreichste Komplikation im höheren Lebensalter. Typische Symptome seien Aufmerksamkeitsstörungen, Desorientierung, Denkstörungen und Bewusstseinsveränderungen. Auslöser eines Delirs sind häufig Infektionen, operative Eingriffe, Medikamente oder akute Belastungen.
Gelungene Betroffenenleitlinie ermöglicht individuelle Prävention
Entstanden ist deshalb auch die optisch einladende, kurz gefasste und sehr anwendungsorientierte Patientenleitlinie für Betroffene und vor allem auch deren Angehörige.
„Mit der Weitergabe dieser Informationen können alle an der Behandlung Beteiligten aufklären und optimal unterstützen“, ergänzt PD Dr. Christine Thomas.
So haben die Autorinnen und Autoren auch Checklisten zur Überprüfung eines Delir-Risikos als präventive Massnahme eingefügt und geben Tipps zur Delir-Vermeidung. Beachtenswert sind auch Lesetipps, Hinweise auf YouTube-Filme sowie auf Unterstützungsmöglichkeiten durch Stiftungen, Patientennetzwerke oder Selbsthilfegruppen.
Quelle: Deutschen Gesellschaft für Geriatrie | AWMF-Leitlinienregister
Bildquelle: Klinikum Stuttgart | Universität Göttingen
