Puls: Wenn KI zur Seelentrösterin wird – oder eher nicht?
Immer mehr Menschen suchen in psychischen Krisen Hilfe bei ChatGPT – der digitale Gesprächspartner scheint rund um die Uhr verfügbar und menschlich verständnisvoll.
Doch kann künstliche Intelligenz echte Therapie ersetzen, oder bietet sie nur scheinbare Unterstützung? Die Sendung „Puls“ beleuchtet Chancen und Risiken der KI im Umgang mit psychischen Belastungen – moderiert von Daniela Lager.
KI für den Alltag – Hilfe für Florian
Florian, 29, wurde in seiner Kindheit seelisch und körperlich misshandelt. Seitdem kämpft er mit Depressionen und zieht sich zunehmend zurück. Seine einzige Leidenschaft: das Erstellen von Mangas mithilfe künstlicher Intelligenz.
Nun sucht er auch seelische Unterstützung bei ChatGPT – in der Hoffnung, Ratschläge für den Alltag zu erhalten und vielleicht sogar eine Antwort auf seinen Verdacht, autistisch zu sein.
KI im Praxistest – Taugt ChatGPT zur Selbsthilfe?
Am Zentrum für Selbsthilfe in Basel wagt eine Gruppe Betroffener den Praxistest: Über mehrere Wochen hinweg tauschen sie sich mit ChatGPT aus, wann immer sie das Bedürfnis haben. Ihre Erfahrungen dokumentieren sie in kurzen Videotagebüchern.
„Puls“ zeigt, wie hilfreich oder auch problematisch der digitale Gesprächspartner in psychischen Belastungssituationen sein kann.
KI als Risikofaktor – Wenn Algorithmen Suizidgedanken übersehen
Ein tragischer Fall aus den USA hat international für Aufsehen gesorgt: Ein Jugendlicher nahm sich nach wiederholten Gesprächen mit ChatGPT das Leben – offenbar, nachdem die KI seine Suizidgedanken nicht erkannt, sondern verstärkt hatte.
In der Schweiz wird nun die Therapie-App SONIA weiterentwickelt. Sie soll in Zukunft Suizidgefahr besser erkennen und im Notfall den Kontakt zu echten Fachpersonen herstellen.
KI mit Potenzial – Die Zukunft der Psychotherapie?
Auch die professionelle Psychotherapie beschäftigt sich zunehmend mit künstlicher Intelligenz. An der Berliner Charité werden digitale Avatare entwickelt, die reale Therapeutinnen und Therapeuten virtuell unterstützen – empathisch, verfügbar und lernfähig.
Das Max-Planck-Institut für Bildungsforschung trainiert KI-Systeme darauf, Emotionen anhand von Gesichtsausdrücken und Stimme zu erkennen. Diese Forschung könnte langfristig neue Werkzeuge für psychologische Diagnostik und Unterstützung hervorbringen.
Ausstrahlung
Montag, 15. Dezember 2025, 08.00 Uhr, Play SRF
Montag, 15. Dezember 2025, 21.10 Uhr, SRF 1
Quelle: SRF
Bildquelle: SRF
