Zoonosen: Wie Krankheiten vom Tier auf den Menschen überspringen
Immer wieder tauchen Krankheiten auf, die vom Tier auf den Menschen übertragen werden. Diese sogenannten Zoonosen sind weltweit auf dem Vormarsch – und machen auch vor der Schweiz nicht Halt.
Der folgende Artikel erklärt, was Zoonosen sind, wie sie entstehen, welche Infektionen besonders relevant sind – und wie sich das Risiko für Mensch und Tier verringern lässt.
Was sind Zoonosen?
Zoonosen sind Infektionskrankheiten, die zwischen Tieren und Menschen übertragbar sind – in beide Richtungen. Sie können durch Viren, Bakterien, Parasiten oder Pilze verursacht werden. Der Begriff stammt vom griechischen „zoon“ (Tier) und „nosos“ (Krankheit).
Häufige Übertragungswege:
- Direkter Kontakt mit infizierten Tieren (z. B. beim Streicheln, Schlachten oder Pflegen)
- Verzehr von tierischen Produkten (Milch, Fleisch, Eier)
- Bisse, Kratzer oder Stiche (z. B. durch Mücken, Zecken, Flöhe)
- Kontakt mit Kot, Urin oder Speichel von Tieren
Zoonosen können akut oder chronisch verlaufen, milde oder tödlich sein – abhängig vom Erreger, vom Zustand des Infizierten und vom Hygienestand.
Bekannte Beispiele für Zoonosen
1. Tollwut
Eine der bekanntesten Zoonosen – in Europa selten, aber tödlich, wenn unbehandelt. Übertragen wird das Virus durch Biss- oder Kratzverletzungen, meist von Füchsen, Hunden oder Fledermäusen. In der Schweiz gilt Tollwut als ausgerottet – bei Wildtieren wird regelmässig geimpft.
2. Salmonellen
Bakterielle Infektion, die oft durch kontaminierte tierische Lebensmittel (Eier, Fleisch) ausgelöst wird. Symptome: Durchfall, Fieber, Erbrechen. Besonders gefährlich für Kleinkinder und ältere Menschen.
3. Toxoplasmose
Wird durch einen Parasiten (Toxoplasma gondii) ausgelöst, der u. a. über Katzenkot oder rohes Fleisch übertragen wird. Gefährlich v. a. für Schwangere – das Ungeborene kann geschädigt werden.
4. Brucellose
Eine bakterielle Infektion, übertragen durch Rohmilchprodukte oder direkten Tierkontakt. In der Schweiz sehr selten, aber bei Tierärzten, Bauern oder Tierpflegern ein berufsbedingtes Risiko.
5. COVID-19 (SARS-CoV-2)
Der Ursprung des Virus liegt wahrscheinlich in einem Tiermarkt in China – der Erreger sprang vermutlich von Fledermäusen auf den Menschen über. COVID-19 ist ein Paradebeispiel für eine globale Zoonose mit enormen Auswirkungen.
Zoonosen in der Schweiz: Welche Infektionen sind relevant?
1. Borreliose und FSME
Beide Krankheiten werden von Zecken auf den Menschen übertragen (sogenannte Vektoren). Die Schweiz gilt als Risikogebiet – FSME-Impfung wird empfohlen.
2. Leptospirose
Bakterien, übertragen durch Nagetierurin (z. B. bei Kanalisationsarbeiten oder Hochwasser). Symptome: grippeartig, aber mit möglichen Organkomplikationen.
3. Rindertuberkulose
Früher weit verbreitet, heute durch Tierseuchenbekämpfung stark zurückgedrängt. Dennoch gibt es Einzelfälle bei Jägern, Milchverarbeitern oder durch Rohmilchverzehr.
4. Echinokokkose
Fuchsbandwurm-Infektion, die durch Aufnahme von Eiern (über kontaminierte Waldbeeren, Pilze oder Erde) erfolgen kann. Gefährlich: Leberzysten, die operiert werden müssen. Besonders Jäger, Hundehalter und Wildsammler sollten wachsam sein.
5. Q-Fieber
Durch Einatmen von kontaminiertem Staub aus Schafställen oder Tierkot – verläuft meist mild, aber mit möglicher Herzbeteiligung. In der Schweiz sporadisch auftretend.
One Health: Warum Tier- und Menschengesundheit zusammenhängen
Zoonosen zeigen, wie eng die Gesundheit von Menschen, Tieren und Umwelt verbunden ist. Das sogenannte „One Health“-Konzept betont die Notwendigkeit, Veterinärmedizin, Humanmedizin und Umweltschutz zusammenzudenken.
Faktoren, die das Risiko für Zoonosen erhöhen:
- Massentierhaltung und Tiertransporte
- Zerstörung von Lebensräumen und Biodiversitätsverlust
- Internationaler Handel mit Wildtieren
- Klimawandel – begünstigt neue Erreger und Vektoren (z. B. Tigermücke)
Wie kann man sich und andere schützen?
1. Hygiene im Alltag
- Hände nach Tierkontakt gründlich waschen
- Rohmilch und rohes Fleisch vermeiden – gut erhitzen
- Haustierkot nicht mit blossen Händen entsorgen
2. Impfschutz auf dem neuesten Stand halten
FSME-Impfung bei Aufenthalt in Risikogebieten, Tollwut-Impfung bei Reisen in Endemiegebiete oder bei beruflichem Risiko.
3. Zeckenschutz beachten
Lange Kleidung, Zeckenspray, tägliche Körperkontrolle nach Aufenthalt im Freien.
4. Tierhaltung verantwortungsvoll gestalten
- Keine Wildtiere als Haustiere halten
- Regelmässige Tierarztbesuche
- Kranke Tiere sofort isolieren oder untersuchen lassen
5. Aufklärung und Sensibilisierung
Eltern, Schulen, Bauern und Tierhalter sollten über Zoonosen und Schutzmassnahmen informiert sein – insbesondere auch in ländlichen Regionen.
Fazit: Zoonosen sind keine Einzelfälle – sondern ein wachsendes Risiko
Zoonosen begleiten den Menschen seit Jahrtausenden – doch durch Globalisierung, Klimawandel und intensive Tiernutzung steigt ihre Bedeutung. In der Schweiz sind zahlreiche Krankheiten potenziell übertragbar – meist durch Zecken, Haustiere oder Tierprodukte. Wer informiert ist, kann das Risiko im Alltag minimieren. Gesundheit beginnt nicht nur beim Menschen – sondern in einem achtsamen Umgang mit der Tierwelt.
Quelle: Xund24.ch-Redaktion
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